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Warum fastete ich überhaupt? Weil ich nach einem Strohhalm griff. Vor kurzem suchte mich wieder derselbe Albtraum heim, den ich schon als Kind gehabt hatte. Ich musste wieder an das Ein- und Ausschalten der Leuchten denken. Ich erlebte das, als ich vom Hautarzt nach Hause kam. Ich hatte erfahren, dass die Fleckchen auf meinen Wangen eine chronische Krankheit waren. Zuerst schien es mir absurd zu sein, dass man in der Zeit der Laser und Raumfahrt nur nagelgroßen roten Flecken im Gesicht überhaupt Aufmerksamkeit schenken muss.

Aber die Ärztin hat so aufmerksam auf mich geblickt, obwohl ich scherzte, um die Spannung herunterzuspielen. Ich sah die stumme Frage in ihrem Gesicht stehen : „Kindchen, findest du das wirklich lustig?“.

Als ich nach Hause kam, sah ich im Internet über Rosacea (Lat.) nach. „Ursachen der Entstehung der Rosacea sind unbekannt. Errötung des Gesichts, die durch die Erhöhung der Anzahl der oberflächlichen Blutgefäße und eine Vermehrung des Blutzuflusses in diesen Gesichtsgefäßen verursacht wird.“ Ich las einige weiterführende Artikel. Und bald konnte ich die gesamte wissenschaftliche Literatur zusammenfassen: Niemand weiß, warum diese Krankheit entsteht, niemand weiß, wie man sie behandelt, und niemand weiß, warum sich der Zustand bei einigen Menschen ständig verschlechtert, und sich bei anderen in einem bestimmten Zustand stabilisiert. Sehr belastend war für mich keine Informationen über geheilte Patienten zu finden. Ich habe verstanden, dass es keine wirksamen Medikamente gibt, und die, die es gibt, helfen nicht, sie halten nur die zerstörenden Krankheitsstadien an. Wenn ich „zerstörend“ schreibe, übertreibe ich nicht. Die Endstadien sehen traurig aus, sogar sehr traurig. Ich will nicht mehr darüber schreiben, weil ich jetzt keine negative Gefühle aufkommen lassen möchte. Es gibt im Internet wirklich genügend Informationen dazu.

Ein paar Jahre vor dem Beginn des Fastens habe ich mich behandeln lassen, habe einen Hautarzt konsultiert, habe entsprechende Hautsalben verwendet, die „richtigen“ Cremen benutzt, vermied, was nicht empfohlen wurde – Rotwein, Schokolade, Sauna, Sonne.

Nach zwei Jahren voll anstrengender Bemühungen hatte ich folgende Ergebnisse: Die Krankheit hatte sich auf eine viermal so große Hautfläche ausgebreitet. Merkmale des Stadium Zwei waren bereits deutlich zu erkennen. Meine Haut, die früher rötlich war, bedeckte sich mit Bläschen. Ab diesem Moment habe ich nach dem rettenden Strohhalm zu suchen begonnen! Ich war verzweifelt …

Ich dachte, wenn die Erkrankung nach nur drei Jahren Dauer trotz Behandlung bereits soweit fortgeschritten war, wie lange würde ich dann noch akzeptabel aussehen? Ehrlich gesagt war die Situation allmählich unerträglich. Das Makeup konnte kaum noch die roten Wangen abdecken, die Bläschen wurden immer deutlicher und veränderten bereits die Hautoberfläche, sie wurden immer gröber und gröber …

Mittlerweile bin ich hundertprozentig überzeugt, dass wir alle Antworten auf die von uns gestellte Fragen bekommen. Wir müssen nur warten, uns vielleicht sogar verneigen, fragen, und akzeptieren, dass man irgendwann nicht mehr weiter weiß und dringend Hilfe braucht.

Noch wichtiger ist es die Antwort annehmen zu können.

Es gibt eine lustige, zu diesem Thema passende Geschichte: Ein Engel warf einem Bettler ein Goldstück vor den Füße, damit dieser es findet und sein Leben sich zum Besseren ändern kann. Der Bettler ging am Gold vorbei, da er gerade darüber nachdachte, dass es ihm in der Zukunft noch schlimmer gehe würde, weil er im hohen Alter wahrscheinlich erblinden werde. Aus diesem Grund übte er gerade in diesem Moment mit geschlossenen Augen zu gehen. Wie wahr, wir Menschen benehmen uns oft so, vielleicht sogar mehr als die Hälfte unser Zeit. Wir tun so ob wir blind wären, obwohl wir ein gutes Sehvermögen haben.

Wir sprechen über Schicksalsschläge, die uns in Zukunft passieren könnten, obwohl uns jetzt hervorragend geht. Wenn wir Hilfe brauchen, wirft man uns die Goldstücke vor die Füße, drückt sie uns in die Hände, hält sie uns unter die Nase.

Doch wir schließen die Augen, um sie nicht zu sehen und gehen einfach vorüber. Und wenn wir doch etwas bemerken, beschließen wir, dass es um uns spukt, und laufen weiter. Wenn ich in die Vergangenheit zurückblicke, verstehe ich heute, dass auch ich mich oft so benommen habe.

Zum Glück, war ich diesmal aufmerksam – ich habe den mir zugeworfenen Schatz gesehen. Das passierte sehr symbolisch.

Nennen wir es ein Zufall, nur weiß ich, dass alle Zufälle auf uns persönlich abgestimmte, und für uns ideal geplante Ereignisse sind.

Die ganze Planung des Universums ist so genial, so einfach, leicht und makellos, dennoch können wir mit unserem eingeschränkten Verstand nur sagen, es sei ein Zufall. Unser Gehirn begreift diese Genialität nicht, glaubt nicht, dass so etwas planbar sei. Kurz gesagt, wenn ich die Zufälle bemerke, bin ich begeistert, weil ich weiß, man sorgt sich um mich – hurra! – ich bin auf dem richtigen Weg.

Mein „Zufall“ passierte an dem Weihnachten, das ich mit meinen Verwandten verbrachte. Kann man sich überhaupt eine schönere Zeit aussuchen, um einen Schatz zu finden? Wie schon erwähnt sind die Pläne, die für uns erstellt wurden, makellos und bis ins Details durchdacht.

Tante Dalia erwähnte am Weihnachtstisch das Heilfasten. Ich spürt sofort, dass mich dieses Thema ansprach, spürte sofort einen Energiestoß und den Wunsch darüber zu reden.

Aber in diesem Moment fühlte ich mich auch unglaublich schläfrig. Ich hatte schon dreimal mehr als nötig gegessen und genau das getrunken, was ich überhaupt nicht zu trinken sollte. Damit meine ich den Alkohol.

Noch ein Augenblick und ich wäre fast an meinem Schatz vorbeigegangen wie der Bettler in der Geschichte. Aber der sechste Sinn siegte. Zwar war ich bereits zu müde, um mich in lange Debatten zu verwickeln, aber ich war noch imstande meine Tante nach den Büchern über das Heilfasten zu fragen. Da wir bei ihr zu Besuch waren, bekam ich ein Buch gleich in die Hände gedrückt. Was sollte es, ich musste meinen Schatz mit nach Hause mitnehmen und lesen.

Erst las ich dieses Buch mit großer Skepsis, doch beendet habe ich es mit der großen Hoffnung, dass ich alles ändern kann, wenn ich mich nur entscheide, es zu machen, weil es dann keinen Weg zurück gibt.

Ich muss meine Lebensphilosophie grundsätzlich verändern. Die schnell wirkenden Tabletten reichen nicht mehr, außer für die Spätfolgen.

Um mich endgültig zu entscheiden, sah ich nochmal in den Spiegel und verstand, ich nehme den neuen Lebensplan an – ich habe einfach keine andere Wahl mehr …

Nach Weihnachten hatte ich genügend Zeit um meine Kenntnisse über Heilfasten zu vertiefen. Ich las unterschiedlichste Bücher, analysierte ihre Fastenmethoden, entschied, was zu mir am besten passen würde, ich sprach mit Menschen, die gefastet haben. Schrittweise begann ich es zu praktizieren. Ich verzichtete zuerst einen Tag aufs Essen, später drei und schließlich sogar fünf Tage.

Der Frühling kam, dann der Sommer, da wollte ich mich dafür entscheiden, mehr als zwanzig Tage in einem durch zu fasten. Ehrlich gesagt, es gab auf dem Weg nur ein einziges Hindernis – BB.

Er konnte meine gesunde Lebensweise ertragen, aber dem Fasten stimmte er nicht zu, konnte es weder verstehen noch begreifen. Ab und zu unternahmen wir während meines Fastens etwas zusammen. Und das war für mich schwerer als allein zu fasten: Gut riechendes Essen minderte meinen Willen und mein Durchhaltevermögen, meiner Entscheidung zu folgen. Seine Unterstützung war eigenartig, er sagte: „Sicher, du sollst nicht essen, wenn du es so beschlossen hast. Aber, wenn du Weißbrot mit Käse möchtest, mache ich dir einen Toast. Möchtest du?“

Jede dritte meine Antwort auf ähnliche Fragen lautete: “Gut, ich will, ich mache, nächstes Mal faste ich länger“.

Seine Meinung zu meinen immer mehr errötenden Wangen war auch eigenartig: „Ich sehe nichts, was soll sein? Du siehst schön aus. Du gefällst mir.”

Eine Zeit lang dachte ich, es gibt ja wirklich nichts, mich quält einfach ein übertriebener Selbstpflegekomplex. Nur erinnerte ich mich später, dass die Ärzte die Rötungen auch sahen. Das war leider keine Einbildung.