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Ein früher Frühlingsmorgen, es ist frisch. Ich gehe zu einer meiner Arbeiten, habe es eilig, spüre keine Kälte. Mein Weg führt mich wie immer durch die schmale Altstadtgasse, in der BB wohnt.

Gehe ich an seinem Hof vorbei, schaue ich immer hinein, was drinnen so los ist. Ich weiß, dass ich tief in meinem Herzen kein Vertrauen zu ihm habe und nicht an ihn glaube, kann mir das aber selbst nicht eingestehen. Ich kann das auch noch nicht komplett nachvollziehen. Und ich bin nicht ganz davon überzeugt, dass das nicht nur meine Fantasie ist … Ich kann es nicht, die Traumwelt ist so schön, ich will dort lange und glücklich leben.

Stopp! Stopp! Fuck … Im Hof steht sein Auto. Ich fühle einen Kloß in meine Kehle steigen – und eine große Spannung. Die Gedanken schießen mir blitzschnell durch den Kopf. Wenn das Auto im Hof steht, obwohl er gestern Abend nach Panevezys gefahren ist, dann ist, sagen wir, die einfache Erklärung, dass er schon aus Panevezys zurück ist, unmöglich. Es ist dafür noch zu früh am Morgen, um halb neun.

Ich gehe in den Hof rein, das Tor steht offen. Gut, dass die Nachbarn das Eingangstor schon aufgemacht haben, damit ist das erste Hindernis kein Hindernis mehr für mich. Ich steige die Außentreppe zum zweiten Stock hinauf und überlege mir, was nun wohl weiter passiert wird. Muss ich an die Tür klopfen? Ich habe keinen Schlüssel. Bringt vielleicht irgendein glücklicher Zufall mich dorthin, wohin ich möchte? Wird mir einfach ein roter Teppich aufgerollt! Hopp, Jurga, geh Mädchen, vorwärts! Es gibt keine Hindernisse mehr.

Ich steige die Stiege hoch und gehe zur Tür von BB, das Stiegenhaus ist selbstverständlich zu, aber ich sehe, dass ein Fenster des Nachbarn offen steht. „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster”. Dieses Fenster gehört einem jungen Mann, der eine Wohnung von BB gemietet hat. Ich freute mich, das heißt, ich werde klopfen oder einfach rufen, und er wird das Stiegenhaus aufmachen und mich hineinlassen, weil er mich kennt.

Also, was soll’s, ich klopfe an das Fenster. Niemand zeigt sich, niemand meldet sich. Mein Blut kocht, ich kann doch nicht so schüchtern dastehen und warten … Ich versuche von außen in die Wohnung des Mieters zu blicken.

Auf alle Fälle rufe ich: „Hallo!“

Ich sehe durchs Fenster, dass die Wohnung leer steht, drin ist einfach niemand … Ohne zu zögern schwinge ich ein Bein aufs Fensterbrett und klettere hinein. Dann gehe ich durch die Eingangstür des Nachbarn ins Stiegenhaus. Ich sause zu BB’s Wohnung, sehe Damenschuhe im Stiegenhaus vor der Wohnungstür … Noch besteht die winzige Hoffnung, dass es die von der Freundin des Nachbars sind …

Und was sehe ich, als ich in BB’s Wohnung trete? Nichts!

Wie kann das sein?! Eine leere, offene Wohnung. Das Bett ist leer. Er sperrt die Tür oft nicht zu, wenn er geht, weil das Stiegenhaus, in dem nur drei bekannte Menschen leben, zugesperrt ist. Ein privates Territorium, alles sicher.

Einen Augenblick kommt ein Gedanke, das ich zu eifersüchtig bin, eine verrückte Spionin, die ständig ihren aufrechten und ordentlichen Freund verdächtigt. Aber kaum ist dieser Gedanke verflogen, kommt gleich der nächste Verdacht … „Jurga, hier stimmt einfach was nicht …“

Es gibt noch eine Wohnung daneben, in der ein anderer Mieter wohnt. So ein Quasi-Freund aus Weißrussland, der nur sehr selten hierher kommt und den ich daher noch nie gesehen habe.

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich an die Tür geklopft habe. Alles geschah so schnell. Ich drückte einfach den Türgriff und ging hinein.

BB ist ein gut aussehender Mann. Er ist so einer, der nicht zu viel reden muss, dem alle ohne Weiteres vertrauen, er ist respektiert, Frauen lieben ihn …

Geht er ohne Eintrittskarte durch eine Kontrolle, wird er durchgewunken und bekommt noch einen Guten Abend gewünscht, man zeigt ihm sogar, wie er weiter gehen muss. Braucht er eine Auskunft, erhält er sie auf eine ganz besonders liebenswürdige Art, meist wird ihm sogar mehr erzählt als das, wonach er gefragt hat. Selbst wenn er wegen einer Geschwindigkeitsübertretung von der Polizei angehalten wird, habe ich nie gesehen, dass er eine Strafe zahlen musste. Er wird einfach freundlich verwarnt und man lässt ihn weiterfahren.

Ich habe solche Ereignisse in seinem Leben selbst mehrmals gesehen. Einmal habe ich ihm gesagt, dass ich für ihn keine kostenlose Einladung zu einer Veranstaltung, an der ich teilnehmen würde, bekommen könne. Er meinte, dies sei kein Problem, ich müsse ihm nur einfach sagen, wann er wo sein soll – er käme auch ohne Einladung rein. Natürlich habe ich über so ein übertriebenes Selbstbewusstsein gelacht. Die Veranstaltung war für etwa tausend Menschen organisiert, die Eintrittskarten kosten ein paar Hundert Litas und ich wusste genau, dass die Kontrolle an der Tür gewissenhaft arbeiteten, darum glaubte ich nicht, dass sein Charme in dieser Situation ausreichen würde. BB ging einfach an der Kontrolle vorbei, ohne anzuhalten oder zu zögern. Einer der Türsteher lief ihm nach. In dem Moment war es schon lustig: Endlich würde auch er einmal angehalten.

Als er ihn eingeholt hatte, fragte der Wächter: „Haben Sie eine Eintrittskarte?“ BB sieht ihn ruhig an und sagt: „ – Nein.“ Der Wächter überlegt eine Minute lang schweigend und beschließt: „Geben Sie mir Ihre Hand, ich drücke den Stempel drauf, dann prüfen und belästigen die anderen Sie nicht mehr.“ Und dann stempelte er seine Hand ab. Unglaublich. Ich verstehe nicht, wie so was passieren konnte. Der Mann, der für die Überprüfung der Eintrittskarten zuständig ist, beschließt plötzlich einen ungeladenen Gast in die Veranstaltung zu lassen und sorgt sogar dafür, dass dieser nicht mehr gestört wird und sorgenfrei weiterlaufen kann. So war BB.

Ich gehe in die Wohnung rein, direkt ins Schlafzimmer. Dort schlafen BB und eine Blondine. Es ist früher Morgen, die beiden wirken noch verschlafen, doch als die Tür aufgeht, wachen sie auf. Ich sage: „ – Oh, Guten Morgen.“

BB springt splitternackt aus dem Bett, stürzt zu mir und schiebt mich zur Tür hinaus. Er spricht irgendetwas zu mir, irgendwelche wirre Worte: „Was ist das für ein Benehmen … Wir brauchen keine Skandale … Hast du heimlich die Schlüssel von meiner Wohnung machen lassen? … Wir werden alles klären …“

Ich war noch nicht ganz zu mir gekommen, als ich merke das ich schon über die Türschwelle hinausgeschupft worden war. In dem Moment wurde mir klar: „Bleibe ich im Stiegenhaus, dann geht die Tür vor meiner Nase zu und ich komme nie mehr rein. Komme ich nicht mehr hinein, dann bleibt etwas nicht bis zum Ende geklärt und es wird weiter gelogen, geheuchelt und versteckt.“

Und dann, vom Unterbewusstsein geleitet, klammere ich mich an die Gitter des Türfensters … Ich klammere mich mit meiner ganze Kraft daran – und niemand kann mich davon abbringen, bis ich es selbst lösen werde.

In der Zeit habe ich wohl auch irgendwas Wirres geredet, so wie er: „Es gibt nichts mehr zu klären, klarer kann es nicht sein, ich habe keinen Schlüssel von deiner Wohnung, ich bin durch das Fenster gestiegen …“

Mit aller Kraft am Türgitter hängend versuchte ich noch, die Frau zum Gespräch herauszufordern. Ich habe geschrien: „Kommen Sie raus! Wir sollten miteinander reden!“… Sie kommt.

Das Ganze schaut so aus: Ich klammere mich an der Tür fest, sie sitzt vor mir auf der Treppe, in die Decke gewickelt, BB läuft nackt zwischen mir und ihr …

Wir versuchen trotzdem uns miteinander zu unterhalten. „Wissen Sie, dass wir schon fünf Jahre zusammen sind?“ – frage ich. – „Und wie lange mit Ihnen?“ „Wir sind schon seit zwei Jahren zusammen …“. – antwortet sie.